Ja was meinst du denn, wie man Ohrlöcher sticht? Ahlen gibt es auch in vielen verschiedenen Stärken, es müssen ja nicht gleich Vorstechahlen für Schuhsohlen sein.
Die Verse 9 und 10 wirken ein wenig vertauscht. Ich nehme an, mit Beiwohnung ist beiwohnen gemeint und keine Unterkunft. Das sollte sich wohl nur auf die Mägde des Hausherrn beziehen und nicht auf die, die für den Sohn bestimmt ist.
In der Bibel merkt man öfter, wie der eigentliche Wille ist, dass es keine Sklaverei geben soll, es aber überall so gang und gäbe ist und man deswegen versucht, die Auswüchse zu begrenzen.
Sklaverei sollte es eigentlich in Israel nicht geben, weil jeder seinen Grundbesitz zugeteilt bekommt, von dem er leben können soll. Ihr Beispiel ist immer Ägypten, wo sie Sklaven gewesen sind, jetzt hat Gott sie aber in die Freiheit geführt und da soll es keine Sklaverei mehr geben. Es wundert nicht, dass die schwarzen Sklaven in den USA grade diese Texte sehr inspirierend für ihre Musik fanden. Der bekannteste Gospel "Go down Moses" bezieht sich ja grade auf den Auszug aus Ägypten.
Sklaverei/Knechtschaft in Israel ist dann gedacht als Form der "Privatinsolvenz". Wenn man seine Schulden nicht bezahlen kann wird man Knecht/Sklave des Gläubigers und arbeitet die Schuld ab. Dann ist man nach 7 Jahren wieder frei. Man muss sich die Sklaven in Israel eher so vor stellen wie bei uns vor 100 Jahren die leibeigenen Knechte und Mägde und nicht wie Baumwollsklaven aus den USA.
Das ist alles die Theorie. In der Praxis sah das leider oft anders aus. Es war oft so, dass die Besitzer die Sklaven nicht freigelassen haben oder sie nicht anständig behandelt haben und sie haben schuften lassen. Da haben die Propheten sich dann heftig dagegen ausgesprochen.
Die Macht des Verstandes ... sie wird auch im Fluge dich tragen - Otto Lilienthal
Schweinepriester: Ihr habt euch alle eine Fazialpalmierung verdient.
In der Antike scheint mancherorts die Sklaverei durch Schuldknechtschaft sogar viel verbreiteter gewesen zu sein als die Sklaverei durch Kriegsgefangenschaft oder Raub. Kleinbauern haben eben immer das Risiko, sich zu überschulden.
Achtung Spoiler:
Bemerkungen/ Gedanken:
- Mehr Gesetze
- Es wird bereits zwischen Mord und Totschlag unterschieden. Interessant, dass meines Wissens sakrale Bauten als besonders schützend gelten (Kirchenasyl etc.), beim Thema Mord aber hier offenbar nicht.
- Vers 17 ist (abgesehen, davon, dass Todesstrafe aus westlich-menschenrechtlicher Sicht ohnehin zweifelhaft ist) besonders krass: Tod, wenn man den Eltern flucht.
In der EU steht an der Stelle "verfluchen", was angesichts der Magie recht lustikg klingt. Im Lateinischen geht es aber z.B. auch um "maledicere", also schlecht nachreden.- Was, summa summarum, mit dem Tode zu bestrafen ist:
- Mord (aber nicht Totschlag)
- Eltern schlagen
- Menschenraub
- Menschenhandel
- Eltern schlecht nachreden
- Heutzutage wird die Todesstrafe in Israel nicht mehr angewandt (zumindest laut Wiki) - außer im Rahmen des Kriegsrechts
- Auch das Prinzip des Schadensersatzes (Vers 21) hätte ich nicht erwartet. In meiner Wahrnemung waren die Römer die ersten mit modernem Rechtswesen
- Interessant, dass auch komplexere Fälle bedacht werden (wenn eine schwangere im Streit was abbekommt) - in der Rechtsvorlesung haben wir uns auch immer nen Spaß gemacht, besonders absurde Situationen zu konstruieren und die Dozentin damit zu nerven.
- Aaah, Vers 24 ist das berüchtigte "Auge um Auge, Zahn um Zahn". Wusste nicht, dass das noch weitergeht. Hatte irgendwas krasseres erwartet, als dass das einfach in nem Gesetzbuch steht.
- Amüsant, dass ein Sklave einerseits nichts wert ist, wenn er nach Schlägen noch ein paar Tage lebt, aber ein Auge oder ein Zahn die Freiheit bedeuten
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Wenn dich Gesetze jetzt schon langweilen, dann kommt noch einiges auf dich zu, fürchte ich.
"Modern" würde ich das nun nicht gerade nennen, der Hammurabi-Kodex, der noch viel älter ist, hat in einiger Hinsicht schon ähnliche Grundgedanken...
Mongke, kannst du mal die Kapitel dazu schreiben? Ich muss immer so lange suchen, bis ich gefunden hab, wo du bist, wenn ich in Kommentaren oder so blätter.
Wenn Trismegistos schon vom Codex Hammurapi anspricht: Es ist durchaus interessant, sich die einzelnen Fälle in den 5 Büchern Mose und bei den Gesetzen der Völker ringsum anzuschauen. Einiges ist wirklich sehr ähnlich und hier spiegelt das Israelitische Gesetz einfach den Grundgedanken der damaligen Zeit wider. Manches davon zieht sich ja bis heute, wir bestrafen Mord, Menschenhandel, schwere Körperverletzung, Schwangere Frauen schlagen, sodass sie das Kind verliert, alles ebenfalls. (Vielleicht nicht mit dem Tod.) Der Codex Hammurapi ist hier eine sehr gern genutzte Quelle bei der Bibelauslegung.
Interessant sind die Unterschiede. In diesem jetzigen Abschnitt sind aber die Gesetze eher ähnlich zu denen in Mesopotamien. Sagt jedenfalls mein "Biblical Background Commentary" - so ein Buch, in dem die biblische Texte mit anderen antiken Texten vergleichen - in diesem Fall eben dem Codex Hammurapi oder auch Gesetzestexten der Sumerer oder Assyrer.
Zu Auge um Auge, Zahn um Zahn,... :
Diese Formulierung findet sich auch ähnlich in mesopotamischen Gesetzen und auch im Codex Hammurapi.
Es wird in der Auslegung oft drauf hingewiesen, dass diese Formulierung sich heute härter anhört, als es damals gemeint war. Es ginge hauptsächlich darun, die Rache zu begrenzen. Und für ein ausgeschlagenes Auge eben nur ein Auge auszuschlagen und nicht noch mehr. Kommentar meines Dozenten dazu: "Wenn dein Nachbar dir einen Reifen zersticht, darfst du ihm auch einen Reifen zerstechen - aber nicht die Tür eintreten!"
Es werden noch sehr viele Gesetze kommen. Diese Art von Gesetzen ist noch halbwegs interessant, weil wir solche Fälle ja auch heute noch haben. Mal schaun, wie spannend es für dich wird, wenn kapitelweise beschrieben wird, wie die Stiftshütte aussehen soll oder wie genau die Opfer abzulaufen haben.
edit: Quelle: Whalton, Matthews, Chavalas: "Bible Background commentary, Old Testament", Exodus 21, S 98f
Geändert von Der Kantelberg (18. Januar 2020 um 00:35 Uhr)
Die Macht des Verstandes ... sie wird auch im Fluge dich tragen - Otto Lilienthal
Schweinepriester: Ihr habt euch alle eine Fazialpalmierung verdient.
Oh, bin gerade bei Kapitel 21 im 2. Mose![]()
Vom Prinzip her könnte das so stimmen, da die Gesetze oftmals einen sehr humanen Ton anlegen, und die Praxix anders ausgesehen haben mag. Andererseits gibt es aber dann wieder so Gesetze von Gott zur Sklaverei die so gar nicht den Ton von netten Umgang mit Knechten/Mägden darlegt sondern eher an Verhältnisse in Ägypten erinnern. Ich meine da so Passagen wie die die Mongke gestern zitierte in den Versen 20,21:
Sprich wenn er den Sklaven sofort totschlägt muss der Sklave gerächt werden (wie ein normaler Bürger der ermordet wird), schlägt er ihn aber nur so hart dass er erst nach 1-2 Tagen stirbt, ist das sein volles Recht als Sklaveneigner, der SKlave ist ja schließlich sein eigenes Geld (und er kann mit seinem Geld/Sklaven machen was er will). Das nun hört sich gar nicht mehr human an. Und das sind nicht die Auswüchse des Volkes, das ist Gottes eigene Satzung. Davon ausgehend dass die Menschen die Satzungen gern ausdehnen.....was genau soll aus dieser Satzung Gutes hervorgehen? Was hat sich Gott dabei gedacht, wenn er einen womöglich unschuldig in finanzielle Not geratenen Israeliten dazu brachte sich in die Sklaverei für 7 Jahre zu verkaufen....und sein neuer Herr prügelt ihn alle paar Wochen krankenhausreif, bis er irgendwann mal an seinen inneren Wunden stirb 2-3 Tage nach der letzten wütenden Attacke? Hätte da ein gütiger liebevoller Gott nicht eher sagen sollen: "Bestrafe den Knecht wenn er fehlgeht aber schlage ihn nicht."2. Mose 20, 20-21 20 Wenn jemand seinen Sklaven oder seine Sklavin schlägt mit einem Stock, dass sie unter seinen Händen sterben, muss er bestraft werden. 21 [B]Bleiben sie aber einen oder zwei Tage am Leben, so soll er nicht bestraft werden; denn es ist sein Geld.
Tatsächlich ist das Schlagen mit (menschlichen-)Ruten etwas was man oft von Gott hört, zb dass man dem Knaben (Sohn, sicher auch der Tochter) die Rute (das schlagen mit derselben) nicht vorenthalten soll, weil das Kind praktisch nur so lernen wird was richtig oder falsch ist. Oder die Aussage Gottes an König David dass er dessen Sohn (Salomo) wie seinen eigenen Sohn behandeln wird, aber ihn mit menschlichen Ruten schlagen wird falls er fehlgeht (vom rechten Weg abweicht). Die Bibelschreiber der damaligen Zeit waren der damals gängigen Praxis, Übeltäter oder Hausangehörige auch Familie) körperlich mit Stöcken zu schlagen also keineswegs abgeneigt...und stellen dies in der Bibel so dar, als ob dies direkt aus Gottes Mund so gedacht ist.
Vergleicht man das mit heutigem europäischen Recht im Bereich des Kinderschutzes oder Jugendschutzes, würde man Gott als Vater schnell vom Jugendamt die "Kinder" entziehen lassen wenn er sie tatsächlich körperlich mißbrauchen/schlagen sollte. In welcher Instanz er dann wohl Berufung einlegen würde?![]()
Und es ist fast so, als hättest du die letzten Seiten gar nicht gelesen.![]()
Habe ich sehr wohl. Diese Diskussionen sollte man wirklich auslagern, wenn sie überhand nehmen.
Dann werde ich da wohl einige Verse "gut machen", bzw. mehr auf einmal lesen und micht nicht an Details aufhängen. Heute gibt es weniger, denn ich bin betrunken. Dass ich mal betrunken die Bibel lesen würde, hätte mein früheres Ich meinem heutigen Ich wohl auch nie geglaubt
Dafür hab ich einen schönen Titel für das 1. Buch einer denkbaren Bierbel: Guinnesis
* * *
2. Mose 21, Verse 28 - 37
Achtung Spoiler:
Bemerkungen/ Gedanken:
- Schäden durch Tiere werden explizit behandelt. Naheligend, heutzutage haben wir halt ne StVO. Aber Rinder zu steinigen stelle ich mir schon... dumm vor
- Beachtenswert, dass man den Halten in Mitschuld nimmt, wenn er es besser wissen müsste. Dummheit schützt hier also vor Strafe nicht - nur Unwissenheit.
- Das mit der Grube stelle ich mir auch lustig vor
- Wenn vorher "Auge um Auge" als Rechtsgrundsatz etabliert wurde, wieso soll dann jemand, der ein Rind stiehlt, fünf Rinter als Ersatz leisten? Berücksichtigt das sowas wie Fortpflanzung? Das Analogon bei Augen und Zähnen (da ist das biologisch praktikabler) wäre "Auge um 5 Augen, Zahn um 5 Zähne".